Singvogel gefunden?
Nestling, Ästling, adulter Vogel: Die Situation verstehen und richtig handeln.
Amseln, Meisen, Spatzen, Rotkehlchen, Finken, Stare und Schwalben: Singvögel sind die Wildvögel, denen wir im Alltag am häufigsten begegnen. Sie geraten in Not nach Vogelschlag, durch Katzenbisse oder als Nestlinge, die aus dem Nest gefallen sind. Manchmal werden sie auch aufgesammelt, obwohl sie keine Hilfe brauchen. Wir zeigen dir, was du beachten musst: bleibe ruhig, schaue genau hin und lerne einzuschätzen, wann und wie du in welcher Situation am besten handelst. Denn wenn du richtig handelst, vergrößerst du die Chancen für den kleinen Vogel spürbar.
Braucht dieser Vogel Hilfe?
Viele Vögel, die du auf dem Boden findest, brauchen keine Hilfe. Einige schon. Bei ihnen ist schnelles Handeln entscheidend. Doch wann ist es wirklich ein Notfall?
Notfälle
Diese Situationen erfordern immer sofortiges Handeln, auch wenn der Vogel äußerlich unverletzt wirkt.
- Nackter oder kaum befiederter Jungvogel am Boden. Wenn das Nest noch erreichbar ist, kann er zurückgesetzt werden. Ist das nicht möglich, ist er auf Hilfe angewiesen.
- Vollständig befiederter Jungvogel, der sich nicht fliegend in Sicherheit bringen kann. Ein gesunder Ästling schafft zumindest einige Meter. Wer das nicht kann, ist verletzt oder geschwächt.
- Junge Wildtaube am Boden. Anders als bei anderen Vogelarten versorgen Wildtauben-Eltern ihren Nachwuchs am Boden oft nicht mehr.
- Vogel nach Kontakt mit einer Katze, auch ohne sichtbare Verletzung. Katzenspeichel enthält Bakterien (Pasteurellen), die über kleinste Hautrisse in die Blutbahn gelangen und innerhalb von 24 bis 48 Stunden tödlich sein können.
- Vogel nach Kollision mit einer Scheibe oder einem Auto. Fliegt er danach noch weg, bedeutet das nicht, dass er unverletzt ist. Gehirnerschütterungen und innere Verletzungen zeigen sich oft erst Stunden später.
- Mauersegler am Boden. Mauersegler können vom Boden aus nicht selbst starten und brauchen immer Hilfe, egal ob jung oder alt.
- Mehlschwalbe oder Rauchschwalbe am Boden. Schwalben am Boden sind fast immer in Not und haben sehr spezialisierte Anforderungen. Immer Hilfe holen.
- Vogel mit sichtbarer Verletzung. Hängender Flügel, Blutung, Lähmung oder Knochenbruch erfordern sofortige tierärztliche Versorgung.
Warnsignale
Vögel verstecken Schwäche so lange wie möglich. Wenn ein Vogel tagsüber auf dem Boden sitzt und sich nicht bewegt, ist das ein deutliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Vogel flieht. Wer sich anfassen lässt, ist krank.
Weitere Zeichen, die auf einen kranken oder geschwächten Vogel hinweisen:
- Aufgeplustertes Gefieder tagsüber über längere Zeit. Vögel plustern ihr Gefieder auf, wenn sie frieren. Tagsüber deutet das auf Untertemperatur durch Krankheit oder Schwäche hin.
- Taumeln, Kreisen oder Kopfschiefhaltung. Diese Zeichen weisen auf eine neurologische Störung hin, zum Beispiel nach einem Aufprall oder durch eine Infektion. Ein Vogel, der sich im Kreis dreht oder den Kopf dauerhaft schief hält, braucht sofort Hilfe.
- Schwere oder hörbare Atmung. Pumpende Atemzüge, Schnabelatmen oder rasselnde Geräusche sind Zeichen von Atemnot. Gesunde Vögel atmen leise und unauffällig.
- Breitbeiniges Stehen, Zittern oder Buckelbildung. Ein Vogel, der sich kaum aufrecht halten kann, die Beine weit auseinanderstellt oder zusammengekauert dasitzt, ist geschwächt.
Nestling oder Ästling?
Dieser Unterschied entscheidet, was als Nächstes zu tun ist.
Bei einem Jungvogel auf dem Boden kommt es entscheidend darauf an, ob er ein Nestling oder Ästling ist. Ästlinge brauchen normalerweise keine Hilfe und sollten nicht eingesammelt werden. Wir erklären dir den Unterschied und was du beachten musst.

Nestling
- Nackte Haut sichtbar oder Federn noch in Hülsen
- Liegt auf angewinkelten Beinen, kein sicheres Stehen möglich
- Augen noch geschlossen oder nur einen Spalt geöffnet
- Kann seine Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren
Was tun beim Nestling?
Schau zuerst, ob das Nest noch erreichbar ist. Wenn ja, setz ihn behutsam zurück – möglichst, ohne dass die Eltern es beobachten können. Du kannst ihn dabei mit bloßen Händen anfassen. Vögel haben keinen ausgeprägten Geruchssinn und nehmen ihren Nachwuchs nach menschlichem Kontakt weiterhin an. Dieser Irrtum kostet jedes Jahr unnötig viele Jungvögel das Leben.
Ist das Tier verletzt oder bereits sehr schlapp, setz es nicht zurück. Gleiches gilt nach Katzenkontakt, bei sichtbarem Parasitenbefall, nach versehentlicher Fütterung oder Wassereingabe und wenn keine Elterntiere in der Nähe sind.
Ist das Nest zerstört oder nicht auffindbar, nimm den Nestling auf, wärme ihn und schreib uns per WhatsApp.
Einen Nestling einfach im Garten absetzen in der Hoffnung, dass die Eltern ihn finden, ist keine Option. Außerhalb des Nests ist er schutzlos.

Ästling
- Vollständig oder weitgehend befiedert
- Kann sicher stehen und hüpfen
- Fliegt kurze Strecken oder flattert
- Sitzt auf dem Boden oder im Gebüsch
Was tun beim Ästling?
Lass ihn, wo er ist. Einen Ästling einzusammeln ist in den meisten Fällen das Falscheste, was du tun kannst. Er braucht keine Hilfe, er lernt gerade zu fliegen. Sein Schutz in dieser Phase ist die Tarnung, nicht der Flug.
Beobachte ihn aus mindestens zehn Metern Abstand, mindestens ein bis zwei Stunden. Wenn die Eltern regelmäßig mit Futter erscheinen, ist alles in Ordnung. Die Eltern suchen verlorene Ästlinge bis zu 24 Stunden lang, auch wenn sie dabei nicht sichtbar sind.
Sitzt der Ästling an einem akut gefährlichen Ort, zum Beispiel auf einer vielbefahrenen Straße oder wenn sich Katzen in der Nähe befinden, setz ihn vorsichtig um, aber maximal 20 Meter weit. Das ist keine Aufnahme, sondern nur eine Umsetzung in Sicherheit.
Einen Ästling zurück ins Nest setzen ist ebenfalls falsch. Vollständig befiederte Ästlinge verlassen das Nest sofort wieder. Jüngere Geschwister können dabei erschreckt und zu früh ausgetrieben werden.
Hat der Ästling sichtbare Verletzungen oder kann er sich nach längerem Beobachten nicht einmal kurz fliegend in Sicherheit bringen, schreib uns per WhatsApp.
Erste Hilfe und Transport
01
Einfangen
Nähere dich ruhig, langsam und mit möglichst wenigen Bewegungen. Vögel reagieren auf jede Bewegung mit einem starken Fluchtreflex. Wenn der Vogel noch beweglich ist, jage ihm nicht hinterher. Zu viel Stress kann bei Vögeln schnell zum Tod führen. Versuche stattdessen, ihn in eine Ecke oder an eine Wand zu treiben.
Wirf dann vorsichtig ein Tuch, eine leichte Jacke oder ein Laken über den Vogel und nimm ihn mitsamt Tuch auf. Greife so, dass er die Flügel nicht frei schlagen kann, sonst bricht er sich Flügelknochen. Den Brustkorb dabei nicht zusammendrücken: Vögel atmen, indem sie die Brust dehnen.
Setze den Vogel mitsamt Tuch in den Karton und hebe das Tuch erst dann ab. Dunkelheit beruhigt ihn.
Nicht jeder verletzte Vogel lässt sich direkt greifen. Wer noch laufen oder kurz flattern kann, flüchtet trotz Verletzung. In diesem Fall hilft eine einfache Lebendfalle: Wäschekorb schräg aufstellen, mit einem Stock als Stütze fixiert, eine lange Schnur daran befestigen. Futter darunter legen und aus sicherem Abstand warten. Sobald der Vogel frisst, Schnur ziehen. → Ausführliche Anleitung auf wildtierrettung.de
02
Transportbox
Ein stabiler Karton mit innen gestochenen Luftlöchern ist ideal. Leg ein weiches Handtuch als Unterlage hinein. Keine Watte, Wolle oder Heu: Diese Materialien verfilzen sich in Krallen, Zehen und Schnabel. Kleinen oder geschwächten Vögeln hilft ein zu einem Ring gerolltes Handtuch als Nestform. Deck den Karton leicht ab. Dunkelheit reduziert Stress erheblich.
Flügelverletzung:
Wenn ein Flügel schlaff herabhängt, einen möglichst engen Karton wählen, damit der Vogel den Flügel nicht weiter bewegen kann. Nicht selbst schienen oder verbinden. Zügig zur Fachstelle.
03
Wärme
In den meisten Fällen ist Wärme die wichtigste Erstmaßnahme. Vögel kühlen im Krankheitsfall schnell aus, ihre normale Körpertemperatur liegt bei 40 bis 42 Grad. Eine Wärmflasche oder PET-Flasche mit warmem Wasser, eingewickelt in ein Tuch, seitlich in den Karton legen. Maximal 35 Grad, und nur einen Teil des Behälters erwärmen, damit der Vogel ausweichen kann. Verletzte Vögel etwas aufrechter positionieren, damit sie besser atmen können.
Ausnahme Vogelschlag:
Wenn der Vogel gegen eine Scheibe geflogen ist, keine Wärme. Bei Kopfverletzungen erhöht Wärme den Blutdruck im Gehirn und verschlimmert den Zustand. Den Karton abdunkeln, absolute Ruhe, keine weiteren Reize.
04
Katzenopfer
Wenn der Vogel von einer Katze gebracht wurde, sofort zum Tierarzt, auch ohne sichtbare Verletzung. Pasteurellen aus dem Katzenspeichel können über kleinste Hautrisse eindringen und ohne Antibiotika innerhalb von 24–48 Stunden tödlich wirken. Der Therapiebeginn sollte innerhalb von 6 Stunden erfolgen. Warte nicht bis zum nächsten Tag.
05
Hände waschen
Nach dem Kontakt mit einem Wildvogel immer gründlich Hände waschen.
Das solltest du nicht tun
Kein Wasser, keine Flüssigkeit, keine Nahrung einflößen.
Vögel haben direkt hinter der Zunge eine Atemöffnung. Wer Flüssigkeit einflößt, auch mit einer Pipette, riskiert eine Aspiration: Die Flüssigkeit gelangt sofort in Lunge und Luftsäcke und führt in aller Regel zum Tod. Das gilt für jeden Vogel, egal wie geschwächt er wirkt. Auch Wasser zum selbstständigen Trinken gehört nicht in den Karton: Geschwächte Vögel können beim Versuch zu trinken Flüssigkeit in die Lunge bekommen.
Keine Watte, Wolle oder Heu als Unterlage verwenden.
Diese Materialien verfilzen sich in Krallen, Zehen und Schnabel und können den Vogel dauerhaft verletzen oder einschnüren.
Keine Spot-on-Produkte oder Parasitensprays
Kein Frontline, kein Fipronil, keine anderen Parasitensprays am Vogel anwenden. Diese Mittel sind für Vögel giftig und können tödlich wirken, selbst in kleinen Mengen. Flöhe, Zecken oder Fliegeneier werden ausschließlich manuell entfernt: mit einer Pinzette, einem Flohkamm oder einer Wimpernbürste. Bei Fliegeneiern oder bereits sichtbaren Maden sofort zu uns oder zum Tierarzt.
Keinen Vogelkäfig verwenden.
Vögel flattern darin panisch gegen die Stäbe, brechen sich Federn oder Knochen und verletzen sich an den Gittern. Federn sind für Flug und Wärmeregulation lebenswichtig – gebrochene Federn wachsen erst bei der nächsten Mauser nach. Ein einfacher Karton ist immer die bessere Wahl.
Keinen normalen Rotlichtstrahler verwenden.
Standard-Rotlichtstrahler blenden Vogelaugen stark. Wenn Wärmebestrahlung nötig ist, gehört das in die Hände der Pflegestelle.
Vogelschlag
Vögel kollidieren häufiger mit Hindernissen, als man denkt. Glasscheiben sind die weitaus häufigste Ursache: Vögel erkennen Glas nicht als Hindernis, weil sie die Spiegelung der Umgebung oder den Durchblick als freien Weg wahrnehmen. Auch Autos kosten jedes Jahr viele Vögel das Leben. Vögel können die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge nicht einschätzen.
Ein Vogel, der gegen eine Scheibe oder ein Auto geflogen ist und danach noch wegfliegt, ist nicht automatisch unverletzt. Gehirnerschütterungen, innere Verletzungen und Knochenbrüche sind typische Folgen, die sich oft erst Stunden nach dem Aufprall zeigen.
Was du tun kannst: Setz den Vogel in einen abgedunkelten Karton, ruhig und ohne weitere Reize. Keine Wärme: Bei Kopfverletzungen erhöht sie den Blutdruck im Gehirn und verschlimmert den Zustand. Keinen sofortigen Tierarztbesuch erzwingen, solange der Vogel noch im Schockzustand ist. Erst stabilisieren, dann entscheiden.
Viele Vögel erholen sich nach einigen Stunden Ruhe vollständig. Manche brauchen tierärztliche Versorgung. Im Zweifel schreib uns.
Nach einigen Stunden kannst du vorsichtig prüfen, ob der Vogel bereit zur Freilassung ist. Er sollte sich aktiv im Karton bewegen, aufrecht auf beiden Beinen sitzen, klare Augen haben und Kopf sowie Flügel gerade halten. Wenn er taumelt, schief sitzt oder die Augen trüb sind: nicht freilassen, sondern Fachstelle kontaktieren.
Spechte nach einem Aufprall: bitte immer in Fachhand. Spechte sind nach Kollisionen besonders häufig von schweren Hirnverletzungen betroffen. Symptome zeigen sich oft erst Stunden später oder am nächsten Tag. Auch wenn ein Specht wieder fit wirkt: nicht selbst freilassen. Mit Geduld und fachgerechter Pflege können selbst Spechte, die anfangs nicht sitzen können, wieder ausgewildert werden.
Vogelschlag vorbeugen
Greifvogel-Aufkleber auf der Scheibe helfen nicht. Vögel nehmen eine einzelne Silhouette nicht als Hindernis wahr, sie weichen ihr nur kleinräumig aus. Die Aufprallspuren direkt neben solchen Aufklebern zeigen das deutlich.
Was hilft: flächige Muster, außen auf der Scheibe angebracht. Als Faustregel gilt, dass keine unmarkierte Glasfläche größer als eine Handfläche sein sollte. Bewährt haben sich vertikale Klebestreifen (mindestens 5 mm breit, maximal 10 cm Abstand) oder horizontale Streifen (mindestens 3 mm breit, maximal 5 cm Abstand). Auch Nylon-Schnüre vor der Scheibe, Fliegengitter oder großflächige Fensterfarben funktionieren gut. Markierungen müssen immer außen angebracht werden.
Welche Produkte und Methoden sich bewährt haben, erklären wir in einem eigenen Artikel. → Artikel folgt
Ausführliche Informationen zu typischen Verletzungen nach Kollisionen (Gehirnerschütterung, Schädel-Hirn-Trauma, Knochenbrüche, Luftsackrisse, Wirbelsäulenverletzungen) findest du auf wildvogelhilfe.org: Kollisionsunfälle bei Wildvögeln (wildvogelhilfe.org)


Mauersegler
Kein Singvogel, keine Schwalbe
Mauersegler werden häufig für Schwalben gehalten, sind aber weder Singvögel noch mit Schwalben verwandt. Sie gehören einer eigenen Ordnung an und haben so spezialisierte Anforderungen, dass selbst gut gemeinte Hilfe schnell zum Tod führen kann.
Ein Mauersegler am Boden ist immer ein Notfall, egal ob jung oder alt, egal wie befiedert er wirkt. Mauersegler können vom Boden aus nicht selbst starten. Sie brauchen Höhe, um in den Flug zu kommen.
Was du tun kannst: Den Mauersegler ruhig aufnehmen, mit einem Tuch, nicht mit bloßen Händen. Ihr Gefieder ist sehr empfindlich und wird durch Handkontakt beschädigt. Den Vogel in einen luftigen Karton ohne Handtuchnest setzen und direkt per WhatsApp bei uns melden.
Was du nicht tun solltest: Kein Futter, kein Wasser, keine Wärme ohne Rücksprache mit uns. Kein Katzenfutter, kein Brei, keine feuchte Nahrung: Das verklebt das Gefieder dauerhaft. Mauersegler fressen ausschließlich Insekten im Flug. Einen geschwächten Mauersegler hochwerfen in der Hoffnung, er fliege dann davon, kann tödlich sein.
Einen ausführlichen Artikel zu Mauerseglern findest du in Kürze im Wissensbereich. → Artikel folgt
Krankheiten
bei Singvögeln
Nicht alle Singvögel, die Hilfe brauchen, sind verletzt. Manche sind durch Viren, Bakterien oder Parasiten erkrankt, ohne sichtbare äußere Verletzung. Einige Krankheiten treten gehäuft auf und sind wichtig zu kennen, weil sie erklären, warum manche Vögel trotz Hilfe nicht zu retten sind und weil manche eine Meldepflicht haben.
Wir stellen hier die wichtigsten Infektionskrankheiten vor, also Erkrankungen durch Viren, Bakterien und Parasiten. Darüber hinaus gibt es viele weitere Erkrankungen und Verletzungsfolgen bei Wildvögeln. Ein umfangreiches Nachschlagewerk mit Kapiteln zu Infektionen, Verletzungsfolgen, Mangelernährung, Vergiftungen und mehr bietet wildvogelhilfe.org: Typische Krankheiten und Verletzungen bei Wildvögeln (wildvogelhilfe.org). Einen Überblick über meldepflichtige und häufige Vogelkrankheiten in Deutschland gibt es beim NABU: Vogelkrankheiten (nabu.de).
Die folgenden Informationen entsprechen dem Stand 2026. Krankheiten verändern sich: Viren mutieren, befallen neue Vogelarten und tauchen in neuen Regionen auf. Was heute gilt, kann morgen anders sein.

Das Usutu-Virus: Amseln besonders gefährdet
Das Usutu-Virus befällt vor allem Amseln, kommt aber auch bei anderen Vogelarten vor. Es wird von Stechmücken übertragen und tritt vor allem zwischen Mai und September auf. Warme, feuchte Sommer begünstigen die Ausbreitung, weil sich Stechmücken dann besonders stark vermehren können. Befallene Vögel wirken apathisch, torkeln, fliehen nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Eine Behandlung ist nicht möglich.
Das Virus wird nicht direkt von Vogel zu Mensch übertragen, sondern über Stechmücken. Das Risiko für Menschen gilt als gering. Tote Vögel dennoch nicht mit bloßen Händen anfassen: Handschuhe oder eine umgestülpte Plastiktüte verwenden und Hände waschen.
Wenn du eine Amsel mit diesen Symptomen oder eine tote Amsel findest, melde den Fall beim NABU. Stand 2026 bittet der NABU darum, tote Tiere nach Möglichkeit auch ans Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) einzuschicken, wo sie auf Usutu untersucht werden. Ob das aktuell noch so gehandhabt wird und wie die Einsendung funktioniert, steht im Meldeformular. → Zum NABU-Meldeformular für Usutu

Suttonella ornithocola: eine Bedrohung für Blaumeisen
Im Frühjahr 2020 starben in Deutschland auffallend viele Blaumeisen. Verantwortlich war das Bakterium Suttonella ornithocola, das eine Lungenentzündung verursacht. Betroffen sind vor allem Blaumeisen, aber auch Tannenmeisen, Kohlmeisen und Schwanzmeisen. Erkrankte Vögel sind apathisch und aufgeplustert, haben sichtbare Atemprobleme und zeigen oft unstillbaren Durst. Die Krankheit ist für Menschen und Haustiere ungefährlich.
Dieser Ausbruch ist nicht mehr aktuell, zeigt aber, dass neue Vogelkrankheiten jederzeit wieder auftreten können. Wenn du mehrere kranke Vögel an deiner Futterstelle beobachtest: Fütterung sofort einstellen und die Futterstelle gründlich reinigen und desinfizieren.

Vogelgrippe: Wasservögel und Kraniche 2025 stark betroffen
Die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) betrifft vor allem Wasservögel wie Graugänse, Schwäne, Enten und Möwen sowie Geflügel. Für Singvögel in Gärten spielt das Virus nach aktuellem Kenntnisstand keine Rolle. Die Winterfütterung im Garten muss bei einem Vogelgrippe-Ausbruch nicht eingestellt werden.
Im Herbst 2025 waren Kraniche in Deutschland besonders stark betroffen: Tausende Tiere verendeten entlang der Zugrouten. Kraniche stecken sich vor allem an Rastplätzen an, wo sie nachts dicht gedrängt in flachen Gewässern stehen. Wer am Gewässer einen toten Vogel findet, sollte ihn nicht anfassen und den Fund dem zuständigen Veterinäramt melden.
Den aktuellen Stand zu Vogelgrippe-Ausbrüchen findest du beim Friedrich-Loeffler-Institut: fli.de

Trichomonaden: Grünfinken im Sommer gefährdet
Trichomonas gallinae ist ein einzelliger Parasit, der vor allem Grünfinken befällt und jeden Sommer regelmäßig zu Todesfällen führt. Infizierte Vögel zeigen schaumigen Speichel, großen Durst und scheinbare Furchtlosigkeit. Die Infektion verläuft immer tödlich, eine Behandlung freilebender Vögel ist nicht möglich. Für Menschen, Hunde und Katzen besteht keine Ansteckungsgefahr.
Die Krankheit überträgt sich vor allem über Futterstellen und Vogeltränken, in deren Wasser der Erreger bei Sommerhitze bis zu 24 Stunden überleben kann. Sobald du mehr als einen kranken oder toten Grünfink an deiner Futterstelle siehst: Fütterung sofort einstellen und alle Vogeltränken entfernen. Die Fütterung frühestens im nächsten Winter wieder aufnehmen. Das ist die einzige Möglichkeit, die weitere Ausbreitung zu stoppen.
Mehr zur richtigen Fütterung und Hygiene an Futterstellen findest du im Artikel zur Vogelfütterung im Wissensbereich.
Gefahren im Garten
Hauskatzen, Glasscheiben, Pestizide: Im Garten lauern für Singvögel mehr Gefahren als man denkt. In der Jungvogelzeit von März bis September, wenn Ästlinge noch am Boden oder im niedrigen Gebüsch trainieren, werden sie zur leichten Beute von Katzen.
Glasscheiben und Fensterfronten kosten jedes Jahr Millionen Vögeln das Leben, auch im eigenen Garten. Pestizide und Herbizide vernichten die Insekten, von denen Singvögel und ihre Küken abhängen. Gartenfeuer und das Verbrennen von Reisighaufen treffen Nester und Jungtiere, die sich darin verstecken. Heckenrückschnitt in der Brutzeit ist nach deutschem Recht zwischen Mitte März und Ende August verboten, aber weit verbreitet. Und der ordentlich gemähte Rasen ohne Wildkräuter bietet Vögeln kaum Nahrung oder Schutz.
Welche Gefahren im Garten auf Singvögel lauern und wie du sie vermeidest, erklären wir in einem eigenen Artikel. → Artikel folgt

Aufzucht gehört in erfahrene Hände
Die Aufzucht von Wildvögeln gehört in fachgerechte Hände. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Art stark: andere Futtertiere, andere Fütterungstechnik, andere Unterbringung. Fehler zeigen sich oft erst, wenn es zu spät ist. Ein falsch gefütterter Vogel entwickelt ein beschädigtes Federkleid, das keine Auswilderung mehr möglich macht. Oder er prägt sich auf den Menschen und kann in der Wildnis nicht mehr überleben.
Wer früh Hilfe holt, gibt dem Vogel die beste Chance.
Falls du eine Pflegestelle in deiner Nähe suchst: Auf wildvogelhilfe.org gibt es eine Liste aller Auffangstationen. → Zur Liste der Auffangstationen
Für Greifvögel und Rabenvögel sind wir nicht die richtige Anlaufstelle. Eine bundesweite Liste von Wildtierauffangstationen, mit Angabe, welche auf Greifvögel spezialisiert sind, findest du ebenfalls auf wildvogelhilfe.org. Bei Stadttauben hilft das Netzwerk Taubenrettung e.V.: taubenrettunghannover.de. Mehr zu einzelnen Vogelarten bietet der NABU: nabu.de
Fledermaus gefunden? Fledermäuse sind keine Vögel und brauchen eine andere Behandlung. Wichtig: niemals mit bloßen Händen anfassen, Fledermäuse können das Europäische Fledermaustollwutvirus übertragen. Eine Fledermaus am Boden benötigt immer Hilfe. Wir sind keine Fledermaus-Pflegestelle. Ansprechpartner in deiner Nähe findest du auf fledermausschutz.de.
So erreichst du uns im Notfall
Schreib uns direkt per WhatsApp oder SMS an: +49 151 574 103 29. Das ist der schnellste Weg zu uns. Anrufe landen auf dem Anrufbeantworter, E-Mails überwachen wir nicht durchgehend. Bei einem Notfall kann beides zu lange dauern. Unser Team ist täglich von 7:00 bis 19:00 Uhr im Einsatz.
Am besten direkt mit:
- Foto oder kurzes Video des Tieres
- Fundort
- Fundumstände und bisherige Versorgung
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Für allgemeine Fragen erreichst du uns per Mail: verein@natur-wildtierfreunde.de – bitte keine Notfälle per Mail melden.